Therapeut unterstützt Patienten beim Armtraining

Krankheitsbild: Parkinson-Krankheit

Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung leiden unter Störungen wie Verlangsamung der Bewegung, steifen Muskeln, Gleichgewichtsstörungen und Zittern. Im MEDICLIN Klinikum Soltau bieten wir spezielle Therapien zur Behandlung der Erkrankung und der damit verbundenen Beschwerden.

Parkinson-Krankheit: Definition, Symptome und Behandlung

Die Parkinsonkrankheit, auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine neurologische Bewegungsstörung. Die Bewegungsstörung entsteht, weil im Gehirn die Zellen absterben, die den Botenstoff (Neurotransmitter) Dopamin produzieren. Dopamin steuert zahlreiche Hirn- und Körperfunktionen. Die Parkinsonkrankheit tritt in der Regel auf, wenn etwa die Hälfte der Dopamin-produzierenden Zellen abgestorben sind.

Warum es zu den Zellschädigungen im Gehirn kommt, ist in vielen Fällen unklar. Erbliche Faktoren spielen nach neueren Untersuchungen eher eine untergeordnete Rolle. Die Parkinsonerkrankung ist bislang nicht heilbar. Mit einer geeigneten Behandlung lassen sich aber die Symptome oft über Jahre hinweg gut kontrollieren.

Wer von der Parkinsonkrankheit betroffen ist

Die Parkinsonkrankheit tritt meistens bei älteren Menschen auf:

  • Nur bei etwa 4 Prozent der Patienten beginnt die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr.
  • Nach dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko, an der Parkinson-Krankheit zu erkranken, dagegen mit jedem Jahr um 9 Prozent. 

In Deutschland sind rund 400.000 Menschen von der Parkinsonkrankheit betroffen. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln ca. 40 Prozent der Betroffenen kognitive Störungen bis zu einer Demenz. Mit der richtigen Behandlung lassen sich die Symptome aber übre Jahre hinweg gut in den Griff bekommen.

Symptome

Zitternde Hand mit Glas

Typische Anzeichen der Parkinson-Krankheit

  • verlangsamte Bewegungen bis hin zur Bewegungslosigkeit
  • steife Muskeln
  • Instabiler Stand und Gang mit Risiko für Stürze
  • Muskelzittern (Tremor)

Neben diesen Beschwerden gibt es weitere Signale für die Parkinson-Erkrankung, die jedoch nicht immer sichtbar sind:

  • Neuropsychiatrische Störungen: Stimmungsschwankungen und Depressionen, Antriebsarmut, Denkstörungen, gestörte Impulskontrolle
  • Schlafstörungen mit häufigem Erwachen und daraus folgender Müdigkeit am Tage
  • Funktionsstörungen des Blutdrucks, der Blasen- oder Darmkontrolle
  • Schluckstörungen oder vermehrter Speichelfluss
  • Störungen der Temperaturregulation (Schwitzen)
  • Sinnesstörungen mit verminderter Riechfähigkeit und Farbwahrnehmung sowie mit Schmerzen

So behandeln wir Patienten mit Parkinson-Krankheit

Im MEDICLIN Klinikum Soltau behandeln wir Parkinson-Patienten sowohl in der Akutneurologie als auch in unserer neurologischen Rehabilitationsklinik.

Parkinson-Krankheit in der Akutklinik behandeln

Das medizinische, therapeutische und pflegerische Team unserer neurologischen Akutklinik ist u. a. auf Parkinsonkomplexbehandlung spezialisiert. Im Zentrum stehen vor allem Diagnostik und Therapieanpassung. Unsere Expertise in der Behandlung von Parkinson erstreckt sich z. B. über:

Bärtiger mittelater Arzt spricht mit einem Patienten © goodluz - stock.adobe.com

Frühe Krankheitsstadien

  • Wir beraten über unterschiedliche Therapieoptionen.
  • Wir kombinieren medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien.
Neurologe misst Gehirnströme einer Patientin

Spätere Krankheitsstadien

Zusätzlich kommen je nach Einzelfall folgende Methoden zum Einsatz:

Pumptherapie

Viele unsere Patient*innen nutzen Medikationspumpen. Wir unterstützen Sie und richten die Pumpen ein und optimieren die Therapie für folgende Modelle: 

  • Apomorphin 
  • Duodopa
  • Produodopa
Tiefe Hirnstimulation (Hirnschrittmacher)

Wir behandeln und unterstützen Patient*innen mit Stimulatoren aller führenden Hersteller und optimieren die Einstellungen in Abstimmung mit dem Implantationszentrum, z. B. Uniklinik:

  • Abbott 
  • Boston Scientific
  • Medtronic

Parkinsonkomplexbehandlung

In unserer Klinik behandelt Sie ein erfahrenes Spezialistenteam. Sie profitieren von einer individuell abgestimmten, intensiven Behandlung. Wir verzahnen alle Therapien – von Medikamenten über Stimulator- und Pumpeneinstellungen bis hin zu gezieltem Training – eng miteinander und verbessern so gemeinsam Ihren Alltag.

Zur Parkinsonkomplextherapie gehören u. a. 
  • Umfassende Diagnose Ihres Parkinsonsyndroms
  • Individuelle Therapie bei Parkinson-Krankheit oder Parkinsonsyndromen
  • Stationärer Aufenthalt von etwa zwei bis 3 Wochen, inkl. Wochenenden
  • Intensive Behandlung durch ein erfahrenes, interdisziplinäres Team
Eine blonde Frau entspannt bei einem Spaziergang unter Bäumen © pitipat - stock.adobe.com

Ziele der Parkinsonkomplexbehandlung

  • Lebensqualität verbessern
  • Selbstständigkeit im Alltag erhalten
  • Teilhabe am sozialen Leben fördern
  • gemeinsam die Herausforderungen in jedem Stadium der Erkrankung meistern
Eine Gruppe Senioren trainiert ihr Gleichgewicht in der Turnhalle auf dem Bosu Ball © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Therapieprogramm

Ihren Behandlungsplan stimmen wir individuell mit Ihnen ab. Der Plan umfasst täglich mehrere Therapieeinheiten, u. a.:

  • Physiotherapie: Bewegung, Gleichgewicht, Gangtraining
  • Ergotherapie: Unterstützung im Alltag
  • Logopädie: Sprechen und Schlucken
  • Neuropsychologie: Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Krankheitsbewältigung
  • Ärztliche Betreuung: Diagnostik und Medikamentenanpassung
  • Spezialisierte Pflege: Unterstützung und Schulung
  • Angehörigenberatung
  • Ernährungsberatung bei Bedarf

Diagnostik

Einige Symptome wie Geruchsstörungen, Stimmungsschwankungen oder gestörter Schlaf treten bei Parkinson-Patienten oft vor den sichtbaren Bewegungsstörungen auf. Bei der Diagnose achten die Ärzte also auch auf solche Krankheitszeichen.

Neben der Untersuchung und Abklärung der typischen sichtbaren Bewegungsstörungen wie Muskelzittern können spezielle Untersuchungen zur Diagnose beitragen, z. B.:

  • Geruchstest
  • ergänzende neuropsychologische Testuntersuchungen
  • Schlafdiagnostik
  • L-Dopa-Test: Test, bei dem wir bestimmte Medikamente verabreichen
Neurologische Bildgebung
  • Sonografie von Hirnparenchym, Muskeln, Nerven und Restharn)
  • Computertomografie (CT)
  • Kernspintomografie (MRT)
  • Fieberendoskopische Schluckdiagnostik (FEES)
  • Radiologische Schluckdiagnostik (Röntgen-Brei-Schluck)
  • Multifunktionale Röntgendiagnostik
  • DAT-Scan (bildgebende Untersuchung des Dopamin-Stoffwechsels)
Neurologische Funktionsdiagnostik/Neurophysiologie
  • Elektroenzephalografie (EEG)
  • Elektroneurografie (inkl. Hirnstammreflexe)
  • Evozierte Potentiale (VEP, AEP, SEP inkl. Mehrkanal-Untersuchung)
  • Transkranielle Magnetstimulation (TMS)
  • Autonome Funktionsdiagnostik (u.a. HFV-Untersuchungen, SHA)
  • Videonystagmografie (VNG inkl. Kalorik)
  • Posturografie
Neurovaskuläre Diagnostik

Extra- und transkranielle Farbduplex- und Dopplersonografie

Neurologische Labordiagnostik
  • Klinisch-chemisches Labor
  • alle notwendigen Laborparameter (in Kooperation)
  • Liquordiagnostik (inkl. Zytologie in eigenem Liquorlabor)
Spezielle Diagnostik bei neurologischen Syndromen
  • Neuropsychologische Testverfahren
  • Diagnostik von Sprach- und Sprechstörungen 
Internistische Funktionsdiagnostik
  • Elektrokardiogramm (EKG) in Ruhe, unter Belastung und in Langzeit
  • Langzeit-Blutdruckmessung (LZ-RR)
  • Echokardiografie (TTE)
  • Spirometrie
  • Schlafapnoe-Screening (MESAM)
  • Sonografie von Schilddrüse, Abdomen, Thorax, Gelenken und Gefäßen

Therapie der Parkinson-Krankheit

Eine Parkinson-Erkrankung ist grundsätzlich nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene Therapieansätze, die den Krankheitsverlauf mehr oder weniger deutlich beeinflussen können. Bei der Behandlung unterscheiden Ärzte motorische Anzeichen, die die Bewegung betreffen, und nichtmotorische Anzeichen.

  1. Behandlung der motorischen Symptome: Spezielle Medikamente sollen dem Dopaminmangel im Gehirn entgegenwirken. Während des Klinikaufenthalts können unsere Ärzte die Medikamente sorgfältig einstellen sowie die Wirkung kontrollieren. Daneben können wir die Nebenwirkungen behandeln, etwa Magen-Darm-Beschwerden und innere Unruhe.
  2. Behandlung nichtmotorischer Symptome: Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Denkstörungen und Störungen der Impulskontrolle behandeln wir ebenfalls gezielt mit Medikamenten.
  3. Weitere Störungen: Neben motorischen und nichtmotorischen Symptomen leiden viele Parkinson-Patienten unter Störungen etwa des Blutdrucks, der Blasenfunktion, der Sexualfunktionen und der Darmfunktion. Auch für solche Störungen kommen Medikamente in Frage.

Hanteltraining Geriatrische Reha

Krankengynastik und Physiotherapie

Beschwerden wie Steifheit und Zittern infolge der Krankheit verschlechtern oft das Bewegungsverhalten und die Körperhaltung. Häufig ist bei der Parkinson-Krankheit ein stark vorgeneigter Oberkörper: Um weiterhin nach vorne schauen zu können, muss der Betroffene dann den Kopf in den Nacken nehmen und das Kinn nach vorne schieben.

Diese Körperhaltung verspannt und verkürzt die Muskulatur. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das Gehen, sondern kann auch die Sprach- und Schluckfunktionen verschlechtern.

Unser Therapeutenteam in der Physiotherapie

  • arbeitet mit Ihnen daran, Ihre Haltungskontrolle zu verbessern
  • zeigt Ihnen Übungen, die Bauch- und Rückenmuskulatur kräftigen und verkürzte Muskeln dehnen
  • gibt Tipps, wie Sie Ihre Schmerzen lindern können
  • berät Sie, wie Sie das Sturzrisiko senken können
Ergotherapie

Ergotherapie

Das Team der Ergotherapie unterstützen Sie dabei, Ihre Handlungs- und Bewegungsfähigkeit zu verbessern, damit Sie Ihren Alltag möglichst selbständig und unabhängig meistern.

Logopädin und Patientin machen gemeinsam Sprechübungen

Logopädie

Unsere Logopäden unterstützen Sie bei Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen. Sie machen mit Ihnen Übungen und gemeinsam verbessern Sie

  • die Schluckfunktion
  • die Atmung
  • die Aussprache
  • die Stimmlautstärke
  • den Sprechrhythmus

Unser Therapeuten-Team

  • trainiert mit Ihnen Alltagsfunktionen
  • verbessert mit Ihnen Ihre kognitiven Einschränkungen
  • erprobt mit Ihnen Hilfsmittel, z. B. Rollatoren
  • berät Sie und Ihre Angehörigen, wie Ihr häusliches Umfeld und der Arbeitsplatz gestaltet werden können

Weitere Informationen

Parkinson

Parkinson – Symptome, Ursachen & Behandlung

Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung leiden unter Symptomen wie Zittern, verlangsamten Bewegungen, steifen Muskeln und Gleichgewichtsstörungen. Eine Behandlung zielt darauf ab, den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen und die Folgen zu lindern.

Wer Sie behandelt

Prof. Dr. med. Philipp Hüllemann

Prof. Dr. med. Philipp Hüllemann

Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Neurologie und neurologische Frührehabilitation

Stilisiertes grünes Person-Symbol mit kurzen Haaren und V-förmigem Kragen auf hellgrünem Hintergrund

Dr. med. Alfons Meyer

Chefarzt der Fachklinik für neurologische Rehabilitation

Anja Wesseloh

Anja Wesseloh

Therapieleitung

Wie Sie uns kontaktieren können

Ilka Flick

Ilka Flick

Sekretariat der Klinik für Neurologie und neurologische Frührehabilitation

Jennifer Köpke

Jennifer Köpke

Bettendisponentin

Katrin Feldt

Katrin Feldt

Sekretariat der Klinik für neurologische Rehabilitation