Krankheitsbild: Epilepsien

Krankheitsbild: Epilepsien

Epilepsien sind chronische Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die in verschiedenen Ausprägungen auftreten können. Meistens beginnt eine Epilepsie in den ersten Lebensjahren eines Menschen oder bei Menschen über 60 Jahren.

Was sind Epilepsien?

Unter Epilepsie oder auch epileptischen Anfällen verstehen Mediziner allgemein Störungen des Gehirns, die durch kurz dauernde vermehrte und gleichzeitige Entladungen von Nervenzellen entstehen. Typische Begleiterscheinungen der Anfälle können sein:

  • unwillkürliche Muskelbewegungen wie Zuckungen
  • Fehlwahrnehmungen wie z. B. veränderte Geruchswahrnehmung oder Bewusstseinsstörungen
  • Veränderung der Gefühls- oder Stimmungslage

Etwa 1 Prozent der Bevölkerung leidet zumindest zeitweise an derartigen Krampfanfällen. Sie können schon bei Kleinkindern auftreten, zeigen sich bei manchen Patienten dagegen erst im hohen Alter. Von Epilepsie sprechen Fachleute, wenn die Anfälle nicht nur sporadisch, sondern regelmäßig auftreten.

Welche Ursachen hat Epilepsie und welche Symptome treten auf?

Jede Nervenzelle und jeder Nervenzellverbund im Gehirn kann „epileptisch“ werden. In diesem Teil des Gehirns werden unvermittelt ganze Gruppen von Nervenzellen gleichzeitig aktiv und senden Signale aus, die in den betreffenden Körperteilen ganz unterschiedliche Folgen auslösen können, beispielsweise Muskelkrämpfe.

Bestimmte Vorschädigungen wie ein vorangegangener Schlaganfall, Hirnblutungen, Gehirnentzündungen, Gehirntumore, Missbildungen an den Blutgefäßen, unfallbedingte Hirnschädigungen und Störungen des Stoffwechsels können das Auftreten von Schlaganfällen begünstigen.

Oft ist keine klare Ursache für die Epilepsie erkennbar. Vermuten wir eine erbliche Ursache oder ist diese bereits nachgewiesen, sprechen wir von „idiopathischer“ Epilepsie. Deuten Beginn und Begleitumstände der Erkrankung eher auf eine symptomatische Ursache hin, ohne dass diese beim Betroffenen gefunden wurde, sprechen wir von „kryptogener“ Epilepsie.

Die meisten Anfälle sind nach ein bis zwei Minuten wieder vorüber. Während des Anfalls können die unterschiedlichsten Symptome auftreten:

  • Bewusstseinstrübung bis zum Bewusstseinsverlust
  • Fehlwahrnehmungen der Sinnesorgane („Aura“): Sehstörungen, seltsamer Geschmack im Mund, Wahrnehmung von merkwürdigen Gerüchen
  • Schwindel
  • Kribbeln in den betroffenen Körperpartien
  • Gefühl von Übelkeit und Unwohlsein in der Bauchregion
  • auffällige Muskelbewegungen: Zuckungen, Krämpfe, unwillkürliche Körperdrehungen, unwillkürliche Laute
  • Wahrnehmungsstörungen wie Trugwahrnehmungen (Halluzinationen)
  • geistige Abwesenheit bei gleichzeitigem Innehalten in der Bewegung (Absencen)

Wie wir Epilepsie akut behandeln

Diagnostik

Beim Verdacht auf einen epileptischen Anfall ist es zur Einordnung durch den Arzt wichtig, wenn der Patient (oder ein Angehöriger) möglichst genau den Ablauf des aufgetretenen Anfalls schildern kann.

Dabei spielen u.a. folgende Fragen eine wichtige Rolle:

  • Gab es bereits vorher einmal einen ähnlichen Anfall?
  • Wie begann der Anfall – was waren die ersten Anzeichen?
  • Begann der Anfall in einer Körperhälfte?
  • Können Sie sich an ungewöhnliche Sinneseindrücke wie z.B. eigenartigen Geschmack oder Geruch, Empfinden von Furcht oder Sprachstörungen erinnern?
  • Wurden Sie während des Anfalls bewusstlos?
  • Gab es dabei unwillkürliche Körperbewegungen?
  • Wie lange dauerte der Anfall?

Neben den Angaben des Patienten werden zur genauen Abklärung verschiedene Untersuchungen vorgenommen. Dazu können gehören:

  • ärztliche Untersuchung 
  • Blutentnahme und labortechnische Untersuchung
  • EEG: Elektroenzephalografie zur Messung der Hirnströme
  • MRT: Magnetresonanztomografie zur Messung der Magnetfeldänderungen des Gehirns
  • CT: Computertomografie – computergestützte Röntgenuntersuchung
  • Duplexsonografie: Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße
  • EKG und Langzeit-EKG: Elektrokardiografie zur Messung der elektrischen Aktivität des Herzens
  • Liquor-Untersuchung: Untersuchung des „Nervenwassers“ auf Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute

Die Untersuchungen dienen der Unterscheidung zu anderen Arten von Krampfanfällen, die nicht zur Epilepsie gerechnet werden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Gelegenheitskrämpfe, die etwa durch ein neu eingenommenes Medikament oder durch eine Narkose hervorgerufen werden
  • Fieberkrämpfe, die insbesondere bei Kindern im Alter bis zu fünf Jahren typisch sind und mit hohem Fieber über 38 Grad einhergehen
  • Anfälle mit psychologischen Ursachen (psychogene Anfälle und Pseudoanfälle), die u.a. bei Suchtkranken oder in psychisch belastenden Lebenssituationen auftreten können

Wie wir Epilepsie in der Reha behandeln

Das MEDICLIN Klinikum Soltau bietet Akutbehandlung und Reha aus einer Hand an. Das heißt konkret, dass unser Team aus Ärzten und Therapeuten ein auf Sie abgestimmtes Behandlungskonzept erstellt, das sowohl Ihren Krankenhausaufenthalt als auch Ihre Reha umfasst.

Sollte nach einer neu festgestellten Epilepsie die Behandlung mit Medikamenten nicht helfen und die Anfälle schränken Sie im Alltag deutlich ein, sind weitere rehabilitative Maßnahmen notwendig.

Die wichtigsten Gründe für eine Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitation nach dem stationären Aufenthalt bei Epilepsie sind:

  • erfolgte Hirnoperationen (Epilepsiechirurgie)
  • keine Besserung der Symptome durch Medikamente (pharmakoresistente Epilepsie)
  • neuropsychologische und körperliche Störungen als Folge der Epilepsie
  • gleichzeitiges Auftreten von nicht-epileptischen Anfällen
  • schwerwiegende psychosoziale Folgen der Epilepsie.

Therapie

Unser Behandlungsteam überprüft kontinuierlich, welche therapeutischen Maßnahmen für Sie die besten sind, und passt sie bei Bedarf an. Elemente aus Physiotherapie und Ergotherapie werden um spezifische Therapieformen wie neuropsychologische Angebote (z.B. Gedächtnistraining und Konzentrationsübungen) und Psychotherapie, Ernährungsberatung und -schulung, Gesundheitstraining und -informationen ergänzt.
Bei Epilepsie-Patienten stehen – neben der medikamentösen Therapie mit sogenannten Antikonvulsiva – Ergotherapie, Physiotherapie und Sporttherapie im Vordergrund.

Wer Sie behandelt

PD Dr. med. Philipp Hüllemann

PD Dr. med. Philipp Hüllemann

Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Neurologie und neurologische Frührehabilitation

Dr. med. Christian Bartling

Dr. med. Christian Bartling

Leitender Oberarzt der Fachklinik für neurologische Rehabilitation

Dr. med. Karsten Meyer-Wiethe

Dr. med. Karsten Meyer-Wiethe

Oberarzt der Fachklinik für neurologische Rehabilitation

Wie Sie uns kontaktieren können

Gunda Schlange

Gunda Schlange

Bettendisposition

MEDICLIN Klinikum Soltau